Am 02.05.2017 besuchte Oliver Krischer, Mitglied des Bundestages und einer der fünf Stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion der GRÜNEN, das Burgau Gymnasium, um mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen EF und Q1 über das Thema Europa zu sprechen. In der mit rund 180 Schülerinnen und Schülern gut gefüllten Aula stellte Herr Krischer zunächst sein ganz persönliches Verhältnis zu und Verständnis von Europa dar. Insgesamt sieht  er die Idee eines vereinigten Europas  als Erfolgsgeschichte und findet, dass es wichtig ist, sich für europäische Werte wie Freiheit, Toleranz und Demokratie einzusetzen und diese zu verteidigen.

Trotz teilweise berechtigter Kritik an Bürokratismus und Regulierwut, sieht er den einmaligen Vorteil, dass europäische Politiker inzwischen versuchen, Konflikte am Verhandlungstisch und nicht mehr auf dem Schlachtfeld zu lösen. Diese Position unterstrich er mit der persönlichen Aussage, dass er, seit Napoleons Zeiten, der erste in seiner Familie gewesen sei, der nicht von irgendeinem Verrückten mit der Waffe in den Krieg geschickt worden sei. Statt Nationalismus sei inzwischen eine Kultur des Miteinanders und der gegenseitigen Wertschätzung entstanden, die es zu pflegen, schützen und weiter auszubauen gelte.

Dass das Thema „Europa“ auch die Oberstufenschülerinnen und -schüler bewegt und interessiert, konnte man an den vielen Nachfragen und Diskussionsbeiträgen erkennen. Insbesondere das Thema „Flüchtlinge“ und dabei die Frage, wie es Europa bewerkstelligen kann, diese Flüchtlinge zu integrieren und die Zustände in den Heimatländern zu verbessern, wurde lebendig diskutiert. Auch umweltpolitische und wirtschaftspolitische Fragen wurden in diesem Zusammenhang angesprochen, denn nach Herrn Krischers Meinung ist der Klimawandel eine der Hauptursachen für die Entstehung von Fluchtbewegungen.

Ein weiteres Themengebiet war der Umgang mit den politischen Veränderungen in der Türkei. Hier fragten Schülerinnen und Schüler auch kritisch nach, wieso die Todesstrafe in einigen Staaten der USA akzeptiert werde, während die Einführung dieser Strafe in der Türkei als Verstoß gegen die europäischen Werte dargestellt werde. Herr Krischer erläuterte auch hier seine Position und bezeichnete die politischen Veränderungen in der Türkei als besorgniserregend. Andererseits sehe er auch Hoffnung, da sich immerhin fast 50% der türkischen Bevölkerung gegen undemokratische und anti-europäische Tendenzen stellen.

Natürlich wurde auch der Brexit thematisiert und die Frage, ob es eine Zukunft für die Idee Europa ohne Länder wie England, Polen oder Frankreich geben könne. Herr Krischer hält dabei insbesondere Frankreich, als Herz Europas, für unverzichtbar für eine positive Entwicklung in Europa.

Die Veranstaltung endete nach 90 kurzweiligen Minuten, in denen viele Aspekte des komplexen Themas „Europa“ angesprochen werden und viele Schülerfragen beantwortet werden konnten.  Herr Krischer vermittelte dabei schülernah und sympathisch Einblicke in das europapolitische Tagesgeschäft und konnte durch seinen Optimismus und seine Begeisterung zur „Idee Europa“ viele Anwesende überzeugen.